Marktbrunnen

Ausgehend von einem im "Markt der Meinungen" vielfach geäußerten Wunsch ist ein neuer Marktbrunnen in die vom Stadtrat beschlossene Konzeption für die Neugestaltung des Hildegardplatzes integriert worden. Es soll ein Marktbrunnen erstellt werden, der basierend auf dem klassischen Typus, eine zeitgemäße Brunnenanlage darstellt und der sich städtebaulich in den Gestaltungsentwurf einfügt. Die Anlage soll auch für die Besucherinnen und Besucher des Wochenmarktes die Möglichkeit zum Abfassen von Trinkwasser oder zum Obstwaschen bieten.

> Aktualisierung 21. Oktober 2013: Wasser marsch für ersten Testlauf
> Aktualisierung 24. April 2013: Brunnenmodell für Bronzeguss freigegeben
   

Modell Christiane Sandler - Gesamtansicht
Modell Christiane Sandler - Gesamtansicht
Bildhauerwettbewerb
Die Stadt Kempten (Allgäu) hat hierfür einen beschränkten Bildhauerwettbewerb ausgelobt und sechs Künstlerinnen und Künstlern bzw. Arbeitsgruppen zur Teilnahme eingeladen. In der gemeinsamen Sitzung vom 02.08.2012 haben der Schul- und Kulturausschuss sowie der Planungs- und Bauausschuss nun beschlossen, gemäß der Empfehlung der Jury, den Entwurf von Christiane Sandler aus Kissing umzusetzen (vorbehaltlich der Mittelbereitstellung).
   
Modell Christiane Sandler - Detail Figuren
Modell Christiane Sandler - Detail Figuren
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Dem Beschluss ging eine eingehende Beurteilung der sechs eingereichten Modelle durch eine elfköpfige Jury voraus. Die Jury bestand aus Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, Hildegard Greiter (Kulturbeauftragte des Stadtrates), Dr. Thomas Elsen (Leiter Staatsgalerie Moderne Kunst im Glaspalast Augsburg), Maya Heckelmann (Leiterin Künstlerhaus Marktoberdorf), Prof. Hubert Schulz (Stadtheimatpfleger Augsburg), Tilman Ritter (Stadtheimatpfleger Kempten), Monika Beltinger (Baureferentin der Stadt Kempten) als stimmberechtigte Mitglieder sowie Prof. Werner Girsberger (Planungsgemeinschaft Hildegardplatz), Markus Wiedemann (Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr), Michael Kral und Julia Reichart (Amt für Tiefbau und Verkehr) als Fachberater. Im Gesamturteil stellte die Jury fest, dass alle sechs Arbeiten ein hohes künstlerisches Niveau zeigen und die geforderten Funktionen erfüllen.
Das Modell von Christiane Sandler, für das sich die beiden Ausschüsse nun entschieden haben, landete auch bei der Jury auf Platz 1.

Jury-Beschreibung des Entwurfes von Christiane Sandler:
"Vorgeschlagen wird eine runde Brunnenschale, in der eine zweigeteilte Säule, beides aus Kohlplatter Muschelkalk, eingelassen ist. Darauf stehen zwei Kinder als Bronzefiguren, mit ausgestreckten Armen, unter einem Apfelbaum, über dem durch feine Düsen ein feiner Sprühnebel erzeugt wird. Die zweigeteilte Säule wird umfasst von einem Bronzering mit Vögeln, aus dem sechs Wasserstrahlen entspringen. Am Brunnenrand sitzen Wasserspeier zur Trinkwasserentnahme in Form von heimischen Tieren.
Die Darstellung lässt bewusst Offenheit in der Deutung: Wasser wird als Basis allen Lebens und als "Lebens-Mittel" gezeigt. Die Figuren erinnern einerseits an Adam und Eva im Paradiesgarten, die angedeutete, moderne Badekleidung stellt die biblische Geschichte jedoch in Zusammenhang mit Gegenwart und Zukunft. Die beiden Kinder verbinden den zweigeteilten Sockel und damit die in der Historie verfeindeten Städte zum heutigen Kempten. Auch lassen sie Gedanken an die Schwabenkinder zu, die badend und sich am Wasser freuend ihr Recht auf gelebte Kindheit einfordern.
Die Pflasterung um den Brunnen nimmt eine Einteilung des Beckenbodens auf und führt sie in Segmenten aus Pflaster und aus Flusskieseln weiter. In den Abschnitten werden in lockerer Folge Bänke mit Holzauflagen angeordnet."

Jury-Beurteilung des Entwurfes von Christiane Sandler:
"Die vorgeschlagene Arbeit formuliert eine feinfühlige Antwort auf die städtebauliche Situation.
Schale und Stehle haben die richtigen Proportionen und reagieren durch die runde Form auf die Platzstruktur. Die Sitzgelegenheiten fügen sich zwanglos in die vorgegebene Rundform ein und unterstreichen damit das offene plastische Konzept der Brunnenanlage.
Die Funktionen eines Marktbrunnens werden richtig erfüllt. Für alle ist die Zugänglichkeit zum Wasser in angenehmer Distanz gegeben. Die plastische Struktur des Baumes und der zwei Figuren wird durch die Sprühwolke aus feinen Wassertröpfchen in sinnvoller Weise fortgeschrieben. Die vorgeschlagenen Wasserauslässe sowohl am oberen Ring als auch am Brunnenrand ergeben eine interessante und spannungsvolle, gegenläufige Wasserstruktur.
Die Materialisierung der Brunnenanlage aus Muschelkalk wird positiv gesehen, auch die Idee des Wasserabflusses über Bodenfugen erscheint sinnvoll. Die segmentartige Fortsetzung dieser Bodenfugen in den Platzraum wird als besonders gelungen beurteilt. In Bezug auf die stehende Wasserhöhe im Brunnenbecken müssen allerdings noch sicherheitsrelevante Gesichtspunkte geprüft werden.
Inhaltlich greift die krönende Figurengruppe Themen in historischem Kontext auf, ohne diese dem Betrachter aufzudrängen. Die Figurengruppe überzeugt auf der einen Seite durch eine deutliche inhaltliche Lesbarkeit und gleichzeitig durch eine zeitgemäße, freie plastische Formulierung. Die verschiedenen plastischen Elemente bilden eine geschlossene Form, die gleichermaßen in alle Richtungen auf den Betrachter und dadurch von allen Seiten einladend wirkt. Allein die auf dem die gespaltene Säule umgreifenden Ring dargestellten Vögel sollten überdacht werden.
Aufgrund der angenehmen Sensibilität des Brunnens im Umgang mit der Örtlichkeit ist hier die Aufgabe am überzeugendsten gelöst."