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Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten

Die Bio-Produktion in Bayern soll bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden. Dieses Ziel hat sich die Staatsregierung mit der Initiierung des bayerischen Landesprogramms BioRegio Bayern 2020 gesetzt. Die heimische Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln soll damit künftig stärker aus regionaler Produktion gedeckt werden. Das kommt Verbrauchern und Landwirten gleichermaßen zugute. Denn die Menschen wollen Transparenz bei der Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln und bevorzugen zunehmend ökologische Produkte aus der Region.
Als eine von zwölf Regionen in Bayern erhielten der Landkreis Oberallgäu und die Stadt Kempten 2015 die staatliche Anerkennung als gemeinsame Öko-Modellregion. Seit März 2016 unterstützt das Projektmanagement bei der Umsetzung von Projekten vor Ort.
Typisch für unsere Region sind der hohe Grünlandanteil und die große Bedeutung der Milchwirtschaft, die Vielzahl der Direktvermarkter und die Alpwirtschaft. In den 28 Gemeinden des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten gibt es bereits rund 470 Bio-Betriebe. Das sind ideale Voraussetzungen, um die regionale Wertschöpfung weiter zu stärken.
Im Stadtgebiet Kempten bewirtschaften 100 landwirtschaftliche Betriebe eine Fläche von etwa 3500 Hektar. Die vorrangige Rolle der Stadt Kempten als städtisch geprägtes Oberzentrum des Allgäus liegt jedoch insbesondere in der Nachfrage und Abnahme der regional erzeugten Bio-Produkte. Durch die Menschen, die in Kempten leben, können Absatzmärkte für regional erzeugte Bio-Lebensmittel gestärkt und neu geschaffen werden.

Die Ziele der Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten:
• Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter vernetzen und Kooperationen anregen
• Perspektiven des Ökolandbaus veranschaulichen und Erfahrungsaustausch ermöglichen
• Regionale, vorwiegend biologisch erzeugte Spezialitäten fördern
• Information und Öffentlichkeitsarbeit: Menschen in der Region erreichen 

Weitere Informationen sowie Veranstaltungshinweise finden Sie auf der Homepage der bayerischen Öko-Modellregionen.  

Nutzen Sie die Möglichkeit, bei der Konzeption und Umsetzung Ihrer Ideen und Projekte begleitet zu werden.

Ihre Ansprechpartnerin:
Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten
Projektmanagerin Sarah Diem
Kemptener Str. 39
87509 Immenstadt
Telefon: 08323 99836-40
E-Mail: sarah.diemE-Mail at Zeichenlra-oa.bayern.de

Gefördert mit Mitteln des Freistaats Bayern durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Aktuelle Informationen

Workshop: Wie gelingt Bio in der Gastronomie?

Warum lohnt es sich auch für Allgäuer Gastronomiebetriebe, auf Bio zu setzen? Wie sieht der Weg von den ersten Schritten bis zur Biozertifizierung aus? Ein Workshop der Öko-Modellregion Oberallgäu Kempten zum Thema „Bio in der Gastronomie“ am 7. Dezember 2017, im Bio-Berghotel Ifenblick widmete sich diesen und weiteren Fragen und bot Gastronomen Unterstützung beim Einsatz von Biolebensmitteln an. Veranstaltet wurde der Workshop von den bayerischen Öko-Modellregionen in Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern. Eingeladen waren nicht nur Gastronomen und Küchenleiter, sondern auch Direktvermarkter, regionale Verarbeitungsbetriebe und Multiplikatoren.

Ein überzeugendes Konzept konnte der Veranstaltungsort vorweisen: das Bio-Berghotel Ifenblick in Balderschwang setzt in seiner Küche auf 100 Prozent Bio. Inhaberin Bianca Meyer entschied sich 2014 mit der Übernahme des elterlichen Hotels für diesen Schritt. „Immer mehr Gäste legen Wert auf gesundes Essen gerade auch im Urlaub und buchen gezielt bei uns, weil wir Bio anbieten“, weiß Meyer nach drei Jahren Erfahrung zu berichten. Für die Sommergäste gilt das stärker als für die Gäste im Winter.

Wie Sonja Grundnig, Leiterin der Gastronomieberatung bei Bioland, darstellte, ist Bio in der sogenannten Außer-Haus-Verpflegung in Deutschland stark im Kommen. Mittlerweile sind etwa 2500 Küchen biozertifiziert, zusätzlich verwendet schätzungsweise die gleiche Zahl von Küchen Bioprodukte, ohne dies zu kennzeichnen und damit ohne Zertifizierung. In Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz gibt es inzwischen 90 Bio-Hotels und ein immer größer werdendes Netzwerk von Bio-Städten fördert Biolebensmittel auch in öffentlichen Einrichtungen. Zur Bio-Produkteinführung empfiehlt Grundnig, schrittweise vorzugehen: der Einstieg kann über das Trockensortiment oder Getränke erfolgen, als nächstes können Milchprodukte, Obst und Gemüse und schließlich Fleisch und Wurstwaren umgestellt werden.

Sarah Diem von der Öko-Modellregion betonte jedoch, dass jeder Betrieb sein individuelles Konzept finden muss. Im Allgäu kann das bedeuten, gerade mit den scheinbar schwierigeren Schritten wie Milchprodukte und Fleisch zu beginnen, da diese vor Ort hergestellt werden und damit unsere Region bei den Gästen authentisch wiedergeben.

Auf die Rolle des Bio-Großhandels im Spannungsfeld zwischen Regionalität und Vollsortiment ging Sebastian Funk von EPOS Bio Partner Süd ein. Der Bio-Großhändler ist auf die Bedürfnisse von Großverbrauchern spezialisiert und bietet ein umfangreiches Bio-Sortiment mit rund 7500 Artikeln an. Im Austausch mit den Teilnehmern wurde deutlich, dass für ein solches Angebot ein anderes Verständnis von Regionalität nötig ist, als beim Einkauf direkt beim Erzeuger. Für Überraschung bei manchen Teilnehmern sorgten die Erläuterungen zur Bio-Kontrolle in der Gastronomie von Stefan Bach, Mitarbeiter der Kontrollstelle ABCERT. So ist es für eine Zertifizierung nicht nötig, gleich komplett auf Bio umzustellen. Wenn die Speisen entsprechend gekennzeichnet sind, können auch einzelne Zutaten oder Komponenten in Bioqualität verwendet werden.

Wie kommuniziere ich den Mehrwert von Bio an meine Gäste? Zu dieser Frage sammelte Sophie Oberhardt von der Naturland Zeichen GmbH die Ideen der Teilnehmer. Wichtig ist, dass die Geschichte hinter dem Produkt erzählt wird und so ein persönlicher Bezug hergestellt werden kann. Das geht ganz klassisch über Bilder und Porträts der Lieferanten, aber auch über neue Medien oder etwa kurze Videofilme.

Zum Abschluss des Workshops stellte Bernd Meyer, Küchenmeister im Ifenblick und med. geprüfter Ernährungsberater, sein Konzept der Ganztierverarbeitung vor. Als einer der wenigen Gastronomiebetriebe kauft er ganze Tiere bei Bio-Landwirten aus der Umgebung und verarbeitet das Tier „von der Nase bis zum Schwanz“ in seiner Küche. Dazu sind ausgeprägtes Wissen des Kochs über Fleischzerlegung und -verarbeitung unentbehrlich. Aber auch in weiteren Bereichen muss umgedacht werden: so funktioniert die Verwendung aller Teile nur in Kombination mit einem Buffet. „Die Gäste freuen sich – so können Sie auch lange vergessen geglaubte Gerichte wie zum Beispiel saure Nieren wieder einmal probieren“ berichtet Meyer. Außerdem fallen quasi als Nebeneffekt beim Buffet so gut wie keine Lebensmittelreste an. Beeindruckend war für die Teilnehmer in der Diskussion, dass durch das Buffet in der Küche besser vorausgeplant werden kann und weniger Stress in den Stoßzeiten entsteht.