Detaillierte Informationen zur Gesamtmaßnahme

Förderung im Zuge der Nationalen Projekte des Städtebaus Projektaufruf 2015 – Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) als Premiumprojekt des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Nationale und internationale Wahrnehmbarkeit der König-Ludwig- Brücke:
Die 1847-1852 erbaute König-Ludwig-Brücke ist eine der wenigen erhaltenen Eisenbahnbrücken aus Holz. Sie ist ein Dokument der Eisenbahnerschließung Bayerns durch die Ludwig-Süd-Nord-Bahn sowie Beispiel des sich im 19. Jahrhundert entwickelnden ingenieurmäßigen Brückenbaus und ist das letzte erhaltene Beispiel von Brücken des Systems Howe in Deutschland. Die König-Ludwig-Brücke ist ein Baudenkmal von herausragender landes-, konstruktions- und verkehrsgeschichtlicher Bedeutung. Die König-Ludwig-Brücke hat am 20. April 2012 auch die Auszeichnung als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ der Bundesingenieurkammer erhalten.
Die Gründe der Auszeichnung waren nicht nur, dass sie weltweit eine der ältesten (über 160 Jahre) hölzernen Eisenbahnbrücken und in Europa die älteste Brücke nach dem Howe-System ist, sondern lagen auch darin, dass die Bemessung der Brücke nicht auf empirischen, sondern auf berechneten Grundlagen beruht. Die Brücke markiert somit den Übergang zur theoretisch begründeten Konstruktion im 19. Jahrhundert. Ohne Übertreibung ist sie als weltweit einzigartiges Monument der Bautechnik und Ingenieurbaukunst zu sehen.
Durch ihre Lage bindet sie sich in das einzigartige Denkmalensemble der Brücken über die Iller im Süden Kemptens ein, bei dem die Entwicklung der Baukunst im Eisenbahnbrückenbau Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhundert durch den Gegensatz der 1847-1852 erbauten hölzernen Eisenbahnbrücke und der beiden 1904-1906 erbauten weltgrößten Stampfbetonbrücken deutlich wird. Darüber hinaus ist dieses Ensemble auch ein Zeugnis der stetigen Entwicklung des Eisenbahnwesens und der damit verbundenen Mobilität des frühen 20 Jahrhunderts, wie aus der Steigerung der Anforderungen an die Infrastruktur des frühen 20 Jahrhunderts zum Beispiel in Form der stetig zunehmenden Größe und die Gewichte der Eisenbahn deutlich wird.
Damit hat diese Brücke für die Baugeschichte eine über die nationalen Grenzen hinaus große Bedeutung und ist ein Nachweis für die Langlebigkeit von Holz im Brückenbau.

Fachliche Qualität der König-Ludwig-Brücke:
Ein besonderer baukultureller Aspekt bei dieser Brücke ist, dass ihre Bauteile nicht durch das Gespür des Baumeisters und der Erfahrung bestimmt worden sind, sondern durch Berechnung ermittelt wurden. Dies hat allerdings aus heutiger Sicht zur Folge, dass die Reserven im Tragwerk im Vergleich zu rein empirisch entworfenen Tragwerken tendenziell eher geringer sind, da durch die damaligen Berechnung das Tragverhalten genauer erfasst werden konnte und damit weniger Reserven eingebaut werden mussten. Dadurch haben Schäden eine viel größere Auswirkung auf die Standsicherheit als bei Bauwerken mit rein empirisch festgelegten Querschnitten.
Bemerkenswert bei diesem System ist auch, dass dieses System aus vorgefertigten Bauteilen besteht, so dass diese Bauteile losgelöst vom eigentlichen Einbauort auch von Ungelernten hergestellt werden konnten. Die Bauteile wurden dann auf der Baustelle „nur noch“ zusammengesetzt. Damit können gewisse Vergleiche zur später aufkommenden Fließbandfertigung und der damit verbundenen Industrialisierung gezogen werden. In seiner Einfachheit wurde dieses Bausystem in Amerika entwickelt und diente dort als wesentlicher Baustein für die Erschließung des Westens. Der Holzbrückenbau kann als eines der frühesten Beispiele eines US-amerikanischen Technologietransfers nach Europa gelten.
Aufgrund der zunehmenden Belastungen durch immer größer werdende Lokomotiven wurde allerdings die Tragfähigkeit dieses Typs zu gering, so dass diese hölzernen Eisenbahnbrücken sukzessive ersetzt wurden. Das Tragwerk der König-Ludwig-Brücke wurde allerdings erhalten, so dass sie als Straßenbrücke und später als Geh- und Radwegbrücke genutzt werden konnte.
Von städtebaulich besonderem Rang stellt sich das sogenannte Brückenensemble südlich des denkmalgeschützten Bereiches der ehemaligen Spinnerei und Weberei dar. In Blickrichtung flussaufwärts folgen in sehr kurzer Abfolge der in architektonisch sehr anspruchsvoller Form neu gebaute Rosenausteg, der denkmalgeschützte sogenannte Kabelsteg zwischen den historischen Gebäuden der Spinnerei und Weberei, die König-Ludwig-Brücke und die beiden 1904-1906 erbauten weltgrößten Stampfbetonbrücken in Form des heutigen Schumacherrings und der Eisenbahnlinie München-Kempten. Das lichte Erscheinungsbild des filigranen Tragwerks gibt den Blick frei auf die beiden Stampfbetonbrücken und unterstreicht die Ensemblewirkung der Brücken, die jeweils repräsentativ für die Ingenieurbaukunst ihrer Zeit stehen. Das Brückenensemble steht in direkter Blickbeziehung mit der ehemaligen denkmalgeschützten Spinnerei/Weberei. Dieses städtebauliche Erscheinungsbild prägt den Stadt- und Flussraum auf einzigartige Weise und ist charakteristisch für das großflächige Industriedenkmal der ehemaligen Spinnerei und Weberei. Darüber hinaus bildet die König-Ludwig-Brücke den südlichen Abschluss des über mehrere Jahre angelegten Projektes „Iller erleben“. Der als Leitbild erarbeitete Masterplan stellt an verschiedenen Stellen entlang der Iller Möglichkeiten und Maßnahmen dar, um die Stadt näher an seinen Fluss heranzubringen. Über Jahrhunderte hinweg hat sich die Stadt auf Grund der vom Gebirgsfluss ausgehenden Gefahren, von ihm wegentwickelt und ihn dadurch in eine rückseitige Position im Stadtbild gebracht.
Die König-Ludwig-Brücke ist aber auch ein sicherer Übergang für Fußgänger und Radfahrer über die Iller und ein wichtiger Bestandteil der Verbindung zwischen dem Illerradweg und dem östlichen Teil Kemptens mit im wesentlichen Wohnbebauungen und dem südlichen Teil Kemptens, dem Hauptbahnhof, dem Schulzentrum, dem zentralen Veranstaltungsort (bigbox) und dem südlichen Teil des Stadtzentrums von Kempten mit seiner Vielzahl an Geschäften, Restaurants und Cafés. Darüber hinaus bietet die König-Ludwig-Brücke in diesem Bereich einen einzigartigen Ausblick in die an dieser Stelle etwa 30 Meter tief in das Gelände einschneidende Iller, so dass diese Brücke neben dem reinen Verkehrsweg auch ein Ort der Ruhe und Erholung vor dem hektischen Treiben auf dem Südring darstellt.
Somit hat die König-Ludwig-Brücke nicht nur technisch einen einzigartigen Stellenwert, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil in Bezug auf die städtebauliche Bedeutung. Die König-Ludwig-Brücke liegt im Untersuchungsgebiet des geplanten Sanierungsgebietes „erweiterte Doppelstadt“, welches die für Kempten charakteristische städtebauliche Situation der parallelen Entwicklung und Verschmelzung einer protestantisch geprägten mittelalterlichen ehemaligen Reichsstadt und einer fürstbischöflichen barocken Stiftsstadt beinhaltet.

Hohes Innovationspotential der König-Ludwig-Brücke:
Neben der historischen Rolle dieser Brücke in der Baugeschichte und der Visualisierung der Entwicklungen der Anforderungen der Mobilität dient sie heute als wichtige Verbindung der durch die Iller getrennten Stadtteile von Kempten. Hier bietet sich nun im Zuge der Maßnahme die Möglichkeit, einerseits den Erhalt und die Erlebbarkeit der Brücke wieder herzustellen, aber auch das Umfeld der Brücke so zu gestalten, dass dieses einen würdigen Abschluss des städtischen Projektes “Iller erleben“ darstellt und die nationale bzw. internationale Bedeutung der König-Ludwig-Brücke wiederspiegelt.
Bei dieser Umsetzung wird dabei einerseits eine integrative Planung erfordert, die zum Beispiel die Neigung der Lamellen der Lamellenverschalung auf die Sichtachsen abstimmt, so dass das eigentliche Tragwerk durch den Witterungsschutz sichtbar sein wird. Durch die Verbindung der heutigen Lamellenschalung mit dem alten Tragwerk werden die Vorteile der jeweiligen Jahrzehnte miteinander verbunden und zeigen dadurch beispielhaft, dass auch historische Bauwerke den heutigen Anforderungen gerecht werden können und der Erhalt alter Bausubstanz nicht nur eine notwendiges Tun ist, sondern gerade durch die sinnvolle Kombination zwischen Alt und Neu neue Ziele erreicht und neue Anforderungen erfüllt werden können

Projektziele:
Im Rahmen dieser Maßnahme soll die Instandsetzung der Brücke realisiert werden, so dass dieses besondere Denkmal für weitere Generationen erhalten bleibt und die wichtige innerörtliche Geh- und Radwegeverbindung über die Iller wieder hergestellt werden kann. Die König-Ludwig-Brücke ist ein Premiumprojekt mit Strahlkraft für die Stadt und die Region mit bauhistorischer und städtebaulicher Bedeutung. Hier werden auch im Zuge der Maßnahme Verbesserungen an der Infrastruktur der Geh- und Radwege im Bereich der König-Ludwig-Brücke durchgeführt, damit die Brücke in ihrem Umfeld  besser erlebt werden kann und die Brücke als südlicher Abschluss des Bereiches „Iller erleben“ steht. Auch die spätere Begehbarkeit und Erlebbarkeit der Brücke im Zuge von Führungen und Veranstaltungen (zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals) wird wieder hergestellt. Durch Schautafeln im Umfeld und in der Brücke sollen die Themen Historie, Baugeschichte des Brückenensembles Obere Illerbrücken sowie die Fähigkeiten des Brückenbaus im 19. Jahrhundert dargestellt werden.
Die König-Ludwig-Brücke stellt dabei als Flussübergang und auf Grund ihres stadtbildprägenden Erscheinungsbildes einen wichtigen Baustein im Gesamtkonzept dar.
Diese städtebauliche Aufwertung und Weiterentwicklung des Kulturdenkmals zusammen mit dem Masterplan des Projektes „Iller erleben“ zeigt die Bedeutung des Areals für die Stadt. Die König-Ludwig-Brücke bildet zusammen mit den Stampfbetonbrücken den räumlichen Abschluss dieses Uferabschnittes, der ein Zentrum städtischer Naherholung werden könnte.
Um die definierten Projektziele zu erreichen, sind mehrere Maßnahmen notwendig, die sowohl das Bauwerk direkt betreffen, als auch Maßnahmen, die eine Ausstrahlung auf die Umgebung der Brücke haben.

Maßnahmen am Bauwerk / Instandsetzung der Brücke mit folgenden Teilmaßnahmen:

o Vorbereitung der Instandsetzung durch
• Rückbau der vorhandenen Brückeneinrichtung (Geländer, Beleuchtung, Witterungsschutz, Belag, ...)
• Ergänzung der Schadenskartierung und des verformungsgerechten Aufmaßes im Bereich des bisher verbauten Obergurts
• Geologisches Gutachten als Grundlage einer verfeinerten Planung der örtlichen Abstützungen

o Umsetzung des geplanten, mit dem bayerischen Landesamt für Denkmalpflege abgestimmten Endzustand
• Denkmalgerechte Instandsetzung der geschädigten Bauteile des Tragwerks und der Pfeiler bzw. Widerlager
• Lokale Verstärkung des gesamten Tragwerks
• Realisierung eines Brückenaufbaus aus Fahrbahn und Geländer
• Realisierung eines Witterungsschutzes zur Sicherstellung eines dauerhaften Erhalts des Bauwerks sowohl im Hinblick auf die Bauteile als auch die Nutzung und Funktion des Tragwerks

o Anbindung der Brücke an die bestehenden Widerlager und Wege

o Einbindung der Brücke in den lokalen Landschaftsschutz und zur Unterstützung zum Erhalt der lokalen Tierwelt z.B. durch die Realisierung von Nistplätzen von Turmfalken, Krähen, Dohlen und Fledermäusen

o Herstellung der Innenbeleuchtung der Brücke

o Planungs- und Überwachungsleistungen wie Tragwerksplanung/Objektplanung/Prüfung der statischen Berechnung/Bauoberleitung und örtliche Bauüberwachung

Konkrete  Maßnahmen im Umgriff der König-Ludwig-Brücke im Rahmen der Freianlagengestaltung:

o Stufenanlage und barrierefreien Zugang neu anlegen (Westufer)
• Schaffen einer barrierefreien Zuwegung zum Zugang des westlichen Widerlagers. Anlage einer soliden Stufenanlage vom Brückenzugang West zur tiefer gelegenen Ebene des Illerradweges durch den Illerhang führend.

o Brückenzugang West und Anbindungen neu gestalten (Westufer)
• Gestalterische Aufwertung des westlichen Brückenzugangs mit Gestaltungselementen wie Pflasterbelägen, Sitzelementen, Beleuchtung und Schautafeln.

o Fuß- und Radwege im Umgriff ordnen und erneuern (Westufer)
• Schlüssige Neuordnung der Fuß- und Radwegenetzes unter den drei Brücken. Optimierung der Wegeführung und Wegeoberflächen. Attraktive Verweilmöglichkeiten mit Beschilderungen schaffen. Die Gabionen für die Baustelleneinrichtung werden als Aussichtsplattformen umfunktioniert und die Erlebbarkeit der König-Ludwig-Brücke aus der Untersicht ermöglicht.

o Aussichtsplateaus mit Umgriff anlegen (Westufer)
• Anlegen von zwei Aussichtsplateaus in den Uferhangauen der Iller. Entwicklung von Sichtachsen, die neben der König-Ludwig-Brücke auch den Blick auf das gesamte Brückenensemble mit der König-Ludwig-Brücke und den beiden Stampfbetonbrücken freigeben. Diese Sichtachsen werden dabei in Abstimmung mit der angedachten Lamellenschalung so realisiert, dass der Blick durch den Witterungsschutz auf das historische Tragwerk freigegeben wird. Dieser freie Blick in die Konstruktion soll dabei durch die Innenbeleuchtung der Brücke bei Nacht verstärkt werden. Sitzelemente und Schautafeln bereichern die Flächen. Fahrradfahrer können hier rasten.

o Brückenzugang Ost und Anbindungen neu gestalten (Ostufer)
• Gestalterische Aufwertung des östlichen Brückenzugangs mit Gestaltungselementen, wie Pflasterbelägen, Sitzelementen, Beleuchtung und Schautafeln. Schlüssige Wegeergänzung und -anbindung. Freistellen der Flächen zur besseren Wahrnehmbarkeit der Zugänglichkeit. Sichere einfach gehaltene Zugangsmöglichkeit zum Widerlager und den Brückenpfeilern schaffen.

o Bestehende Flächen König-Ludwig-Denkmal durch Pflege und Erneuerung aufwerten (Ostufer)
• Verbesserung der Einbindung des bestehenden König-Ludwig-Denkmals in den Aufenthalts- und Erlebnisbereichs unter anderem durch Grünpflege- und Pflanzmaßnahmen.

Die Planung und Ausführung aller Maßnahmen im Bereich Illerhang erfolgt behutsam in landschafts- und naturschutzverträglichem Sinne unter Berücksichtigung des Landschaftsschutzgebietes „Iller“ (LSG-00519.01) und deren Biotope, wie unter anderem dem Biotopkomplex Illerdurchbruch in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und den fachlich zuständigen Behörden.

Durch dieses Maßnahmenpaket wird der gesamte Bereich des Illerufers zusätzlich zu den bisherigen angedachten Maßnahmen des Projekts „Iller erleben“ weiter aufgewertet, so dass sich mittelfristig die Ufer der Iller als Naherholungs- und Erlebnisgebiet sich etablieren wird. Die Sanierung soll bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

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