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Museumsentwicklung in Kempten

Arbeitskreis Museumsentwicklung in Kempten (Allgäu)
Bericht und Empfehlung

       
Die Museen und Sammlungen der Stadt Kempten werden  - in Analogie zum Stadtarchiv als dem schriftlichen Gedächtnis - als das materielle Gedächtnis der Stadt verstanden und erfüllen einen außerschulischen Bildungsauftrag für Stadt und Region.
Gleichzeitig sind die musealen Einrichtungen ein wesentlicher Faktor für Kempten als Ziel des Städtetourismus.


Inhalt         

1. Ziele der Museumsentwicklung      
2. Die Museumslandschaft 2009 (mit Anlage 1)   
3. Künftige Struktur der musealen Einrichtungen (mit Anlage 2) 
    3.1 Römerstadt Kempten – Cambodunum (mit Anlage 4)  
    3.2 Kempten eine Doppelstadt:
          Bürgerfleiß und Fürstenglanz (mit Anlage 3)  
    3.3 Allgäu: Alpen – Mensch – Natur
4. Lager, Depot, Schaudepot 
5. Empfehlung  
6. Realisierungsschritte         

 

 

1. Ziele der Museumsentwicklung in Kempten

  • Wesentliches Ziel der Museumsentwicklung ist es, die Besonderheiten und Charakteristika Kemptens und der Region aufzuzeigen, von der Römerzeit bis heute  und, soweit möglich, an authentischen Orten erlebbar zu machen. Damit wird ein Gesamtbild gemalt, mit dem Alleinstellungsmerkmale erreicht werden.  Dieses Gesamtbild ist nicht statisch, sondern lebt und zeigt immer wieder neue Facetten. 
  • Die Museumsentwicklung trägt dazu bei, die Alleinstellung von Kempten als kulturtouristisches Ziel, als Kulturstadt des Allgäus, noch stärker zu profilieren.
  • Hauptthemen musealer Präsentation in Kempten sind:
    • Die Römerstadt (‚Pompeji im Allgäu’)
    • Die Doppelstadt (‚Bürgerfleiß und Fürstenglanz’)
    • Das Allgäu (mehr als hohe Berge: Erdgeschichte,  Natur, Mensch,  Alpines)
  • Die Museumsentwicklung nutzt die Potenziale der Stadt:
    • Stadtgeschichte, 2000 Jahre und mehr (älteste „Stadt“ in Deutschland, erste Hauptstadt der röm.  Provinz Rätien)
    • Residenz als kulturtouristischer Magnet
    • Tor zu den Allgäuer Alpen
    • „immer etwas los“ : Musik aller Sparten, Theater, Tanz, Kleinkunst 
    • Einkaufsstadt und vielfältige Gastronomie
    • städtisches Leben inmitten der Tourismusregion (über 1 Mio. Gäste im näheren Einzugsbereich)
    • Schulstadt
    • Wirtschaftsstandort
  •  Ein auf Schwerpunkte konzentriertes, attraktives und qualitätvolles museales Angebot wird im Leitbild der Stadt verankert.

 

2. Die Museumslandschaft 2009  (siehe Anlage 1)
 
In Kempten stehen derzeit sieben museale Einrichtungen in fünf Bauwerken bzw. Anlagen in  städtischer Verantwortung:
Im Kornhaus das „Allgäu Museum“, im Zumsteinhaus das „Römische Museum“ und das „Naturkunde Museum“ (seit 2003, in den Sommermonaten an zwei Tagen in der Woche vom Heimatverein Kempten zugänglich gemacht), im Marstall die „Alpenländische Galerie“ und das „AlpinMuseum“ (beides Zweigmuseen des Bayer. Nationalmuseums), in der ehem. Stiftsmälzerei die Kunsthalle und im Cambodunum-Gelände der „Archäologische Park Cambodunum - APC“.
In der ehemals fürstäbtlichen  Residenz werden die barocken Prunkräume vom Heimatverein Kempten im Rahmen von Führungen präsentiert. Auf der Burghalde betreibt der Allgäuer Burgenverein das „Allgäuer Burgenmuseum“ und seit Kurzem auch das  „Haus für historisches Handwerk“.

Alle genannten Einrichtungen waren bis 2008 unter dem Begriff  „Kemptener Museumsmeile“ zusammengefasst.  Da es sich letztlich nicht um eine räumlich zusammenhängende „Meile“ handelt, firmieren die Häuser jetzt unter  „Museen Kempten“  (Siehe anliegende Flyer ).           

Die museale Präsentation im Zumsteinhaus, im Marstall und im Tempelbezirk des APC bedarf einer Fortentwicklung und Erneuerung, die heutigen Besuchererwartungen entspricht und gleichzeitig zukunftsfähige Vermittlungsformen nutzt.

Das Bayerische Nationalmuseum sieht keine Möglichkeit, seinerseits die beiden inzwischen unzeitgemäßen und für heutige Museumsbesucher überwiegend unattraktiven Ausstellungen im Marstall in absehbarer Zeit zu verändern.
Anlage 1 pdf zum Download

 

3. Künftige Struktur der musealen Einrichtungen (Anlage 2)

Die Inhalte der musealen Einrichtungen orientieren sich an den oben unter „1. Ziele“ genannten drei Hauptthemen.
Die Vermittlungsorte und –schauplätze werden auf Grund Ihrer Lage und entsprechend ihren baulichen und  organisatorischen, Synergien freimachenden  Entwicklungsmöglichkeiten empfohlen.
Sehenswürdigkeiten im Sinne von authentischen Orten sollen von vorne herein in die Gesamtkonzeption der künftigen Museumslandschaft einbezogen werden.
Anlage 2 pdf zum Download

3.1  Römerstadt Kempten – Cambodunum

Das Thema Römerstadt ist inhaltlich am ‚authentischen Ort’ der antiken Stadt, an den Hauptthemen der Stadtentwicklung und den archäologischen Fundmaterialien zu orientieren.
 
3.1.1 Inhalt in Themenbeispiele: 
? Älteste schriftlich bezeugte „Stadt“ in Deutschland, ? erste Hauptstadt in der römischen Alpenprovinz Rätien, ? Planstadt nach mediterranem Vorbild (Leben wie ‚zu Hause’, Badekultur und Luxus), ? Migration und Einwandererkultur, ? Importe aus dem Imperium, Handwerk für Export und Eigenbedarf, ? großer Götterhimmel (alte Götter, neue Namen; concilia – Provinziallandtage), ? letzte Reise (Sehen und gesehen werden … über den Tod hinaus) u. a. m.
 Eine thematische Abstimmung und Abgrenzung zu geplanten neuen  archäologischen  Museen in Bregenz und Augsburg ist anzustreben.

3.1.2 Vermittlungsorte / Schauplätze  (Anlage 4) : 
? Der Archäologischer Park Cambodunum – APC  sollte ‚als authentischer Ort’ aktualisiert und fortentwickelt werden. 
? Ein neu konzipiertes  Römisches Museum sollte an geeignetem Standort in den APC integriert werden und das Römische Museum im Zumsteinhaus ablösen. 
? Verschiedene authentische Orte der Römerstadt Cambodunum sollten im Cambodunumgelände und im übrigen Stadtgebiet  – hier vor allem im Bereich der spätantiken Nachfolgestadt Cambidanum links der Iller -  , mit Infotafeln und/oder über Audioguides abrufbaren Informationen ausgestattet werden. 
Anlage 4 pdf zum Download 

3.2 Kempten eine Doppelstadt: Bürgerfleiß und Fürstenglanz

Die Behandlung der Stadtgeschichte mit dem speziellen Aspekt der Doppelstadt Kempten ist an den Hauptthemen und –ereignissen der Stadtgeschichte und den Beständen der Sammlungen zu orientieren.

3.2.1 Inhalt in Themenbeispielen:
? Germanen in römischen Dienst, Hl. Magnus und die frühe Geschichte der Stadt, ? eine Stadt am Fluss, ? zweimal Kempten: Reichsstadt und Stiftsstadt – Bürgerfleiß und Fürstenglanz, ? „Zünftige“ Gesellschaft, ? Zeit ist Geld, ? Bekannte Namen aus Kempten, u. a. m. 
Spezialaspekte der Stadtgeschichte können vor allem an Sehenswürdigkeiten und authentischen Orten im Stadtgebiet behandelt werden;

3.2.2 Vermittlungsorte / Schauplätze (Anlage 3):
? Das Zumsteinhaus eignet sich als kompaktes, attraktives Museum mit ‚Basiswissen’ zur Stadtgeschichte, insbesondere zur Doppelstadt Kempten;
? Zumsteinhaus ist gleichzeitig ein sehr günstiger Ausgangsort für ‚Pfade’ zu authentischen Orten, für Rundgänge in der ehemaligen Stifts- und Reichstadt, zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten;
? Ein  Geschoß des Zumsteinhauses könnte für Sonderausstellungen zu vorrangig stadtgeschichtlichen Jahresthemen vorgesehen werden;
? Eine Tourist-Information im EG des Zumsteinhauses wäre ein Idealfall für die Verbindung Kultur und Tourismus. 
Anlage 3 pdf zum Download 
 
3. 3 Allgäu:  Alpen – Mensch -  Natur 

Dieses Thema ist inhaltlich noch zu entwickeln. Naturräumliche, historische und aktuelle Merkmale der Region Allgäu sind dafür ebenso zu nennen, wie die für das Thema Allgäu verfügbaren Sammlungsbeständen. Teilbereiche des Themas Allgäu finden sich derzeit im Allgäu Museum, im Alpinmuseum und im Naturkunde Museum bzw. der Geologischen Sammlung. 


3.3.1 Inhalt in Themenbeispielen:
? Erdgeschichte und Naturraum Allgäu: vom Werden der Landschaft – vom Meer zum Hochgebirge, ? Tiere und Pflanzen,  ? der Mensch im Alpenraum von den Anfängen bis heute, ? vom Fürststift Kempten zur Region Allgäu, 
? Entdeckung der Allgäuer Landschaft, ? die Allgäuer Berge, ? Lebens- und Wirtschaftraum Allgäu: vom blauen zum grünen Allgäu, von der Tourismusregion bis zum Wirtschaftsstandort, u. a. m.  
Eine Präsentation zur Kunstgeschichte im Allgäu wäre im Kontext eines ‚Allgäu Museums’ zwar wünschenswert, aber auch anderenorts umsetzbar. 

3.3.2 Vermittlungsorte / Schauplätze:
? Im jetzigen Allgäu Museum im Kornhaus können die überwiegend stadtgeschichtlichen Themen schrittweise mit Allgäu-Themen  ersetzt werden.
? Im Kornhaus ist, soweit möglich, langfristig die gesamte für den Betrieb des Hauses notwendige Infrastruktur (Raum für Wechselausstellung / Vortragsraum, Museumspädagogik, Bibliothek, Werkstätte, …) unterzubringen.
? Zur Nutzung von Synergien im Zusammenwirken von Museum und Veranstaltungshaus im Kornhaus und für ein in Führungslinie und Erschließung schlüssiges Museumskonzept im Kornhaus sind längerfristig bauliche Veränderungen notwendig, so z.B. ein in das KG durchgehendes Treppenhaus im Norden und ein für den Museumsbereich durchgängig benutzbarer Lift.

 

4. Lager,  Depot, Schaudepot

Angesichts der derzeit auf 11 Standorte verteilten Museums-, Archäologie- und Ausstellungsbestände, deren z. T. die Objekte schädigenden Lagerungsbedingungen  und für die organisatorische wie dauerhafte Umsetzung der Museumsentwicklung ist ein großes Zentraldepot und –lager  oder ein in Lage und Anbindung mit dem bestehenden Museumsdepot in Ursulasried parallel nutzbares zweites Depot- und Lagergebäude erforderlich.

Inhalte in Materialbeispielen:
? Einrichtungsobjekte / Mobiliar, ? Waffen, ? Fahnen, ? Hausrat, ? Zunftwesen und handwerkliche Gerätschaft, ? landwirtschaftliche Gerätschaft, ? Uhrensammlung, ? Münzsammlung, ? Wintersportgerätschaft, ? ‚alpine’ Gerätschaft, ? Kunst (Grafik, Gemälde, Skulpturen), ? Drucke und Fotografien, …
? archäologische Funde (vor allem Römerzeit, Mittelalter und frühe Neuzeit),
? Geologische Sammlung, ? Naturkundliche Sammlung,

? historische Bauteile, ? Werksteine, Baukeramik, Bauplastik, Steintafeln, ? Ausstellungsmaterialien …

 

5. Empfehlung 

Im Sinne der oben genannten Ziele empfiehlt der Arbeitskreis Museumsentwicklung  mit den drei Hauptthemen „Römerstadt“, „Doppelstadt“ und „Allgäu: Alpen – Mensch - Natur“ die Alleinstellungsmerkmale der Stadt an drei Präsentationsorten herauszustellen:
Die „Römerstadt“ im Cambodunum-Gelände,
die „Doppelstadt“ im Zumsteinhaus und
die Themen „Allgäu “ im Kornhaus.
Sehenswürdigkeiten im Sinne von authentischen Orten sind von vorne herein in die Gesamtkonzeption der künftigen Museumslandschaft einzubeziehen.
Zur Umsetzung der Museumsentwicklung innerhalb der nächsten mindestens zehn Jahr werden nachfolgende erste Realisierungsschritte empfohlen.

 

6. Realisierungsschritte

6.1 In einem zu beauftragenden Masterplan für den Archäologischen Park Cambodunum – APC  mit Römischem Museum sollen u. a. als Themen behandelt werden:  
6.1.1.die Aktualisierung und Fortentwicklung des APC  mit  Entwicklungsschritten, die zum Teil bereits vor einem Museumsneubau möglich sind, 
6.1.2 der beste Standort für das Römisches Museum an oder im APC  und
6.1.3 ein Zeitplan zur Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen.

Empfehlung zu 6.1.1:
- Aktualisierung der archäologischen Grundlagen mit geophysikalische
Untersuchungen (Geomagnetik, Geoelektrik und vor allem Georadar)   des zugänglichen Gesamtgeländes der Römerstadt und Auswertung alter
Ausgrabungen statt größerer neuer Ausgrabungen;
- Weitere Gebäudegrundmauern, insbesondere von antiken Wohnblöcken
(insulae), im Gelände markieren und die dritte Dimension mit grafischen
Mitteln an heute bestehenden Bauwerken darstellen;
- Fortentwickeln eines attraktiven, inhaltlich schlüssigen und
gut nachvollziehbaren Rundweges im gesamten Gelände;
- Aktualisierung und attraktive Fortentwicklung der Präsentation des APC
mit einer Folge von ‚Belohnungen’, so z.B. den bestehenden Spielplatz
nach und nach in einen Römerspiel(e)platz umwandeln.

Empfehlung zu 6.1.2:
Der Neubau eines Museums sollte  in moderner zeitgenössischer Architektur erfolgen, möglichst ohne größere Bodeneingriffe;
- Als mögliche Museumsstandorte näher zu untersuchen sind vor allem der Bereich der Kleinen und der Großen Thermen sowie das Gelände südwestlich des römischen Forums. Auswirkungen auf folgende Betriebskosten sind zu beachten.

6.2 In einem mit dem Masterplan für APC und Römermuseum abgestimmten weiteren Masterplan soll für das Zumsteinhaus   die Umsetzung der Themen  „Stadtgeschichte, Ausgangsort zu einer Folge von authentischen Orten, Sonderausstellung zu vorrangig stadtgeschichtlichen Jahresthemen und  Tourist-Info“ entwickelt werden.

Empfehlungen  zu 6.2: 
- So lange für den Marstall keine endgültige Verwendung festgelegt ist, sollte das Gebäude für museumsorientierte Optionen nicht blockiert sein, so z.B. als Zwischen- oder/und Schaudepot, für Ausstellungen, für Sonderveranstaltungen;
- Durch Übernahme stadtgeschichtlicher Themen in das Zumsteinhaus
können auf frei werdenden Flächen im Kornhaus übertragbare
Module für ein künftiges Thema  Allgäu - Alpines entwickelt werden.

6.3  Es wird empfohlen, die Verträge mit dem Bayerischen Nationalmuseum zur Alpenländischen Galerie und zum Alpinmuseum im Marstall  zu kündigen. 


6.4  Das Thema „Allgäu: Alpen – Mensch - Natur“ ist unter Berücksichtigung von Alleinstellungsmerkmalen und von zur Verfügung stehenden Ausstellungsbeständen zu entwickeln  mit der längerfristigen Perspektive einer abschnittsweisen Umsetzung im Allgäu Museum im Kornhaus.

6.5  Die derzeit genutzten Lager- und Depotflächen sind zusammenzufassen und bedarfsgerecht zu  vergrößern, um die bestehenden Probleme beheben, organisatorische Synergien nutzen  und Maßnahmen der Museumsentwicklung umsetzen zu können.

6.6  Für das Thema „Kunst im Allgäu“ ist ein geeigneter Stand- und Präsentationsort noch zu diskutieren.

6.7  Unter Einbezug der unter 6.1, 6.2 und 6.6 genannten Masterpläne und Themen ist ein Gesamtkonzept zu entwickelt  für Museen, authentische Orte und Sehenswürdigkeiten sowie für Stadtrundgänge ohne und mit Führung oder Audioguides.

6.8  Parallel zu den Maßnahmen der Museumsentwicklung sollen das Engagement und die Aktivitäten im Bereich der Museumspädagogik deutlich gestärkt werden.